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ava - heart of hands
prisca1960

Fan Fiction deutsch // Jeremiah // Hoffnung

Ja, doch auch das gibt´s!

Keine Ahnung, liegt es am Livejournal und daran, das man hier an FF kaum vorbei kommt? Jedenfalls habe ich mich jetzt endlich mal dazu aufgerafft meine (einzige) FF Geschichte, die ich je geschrieben habe auf meine Homepage zu setzen.

Wenn ihr Lust habt, könnt ihr ja mal vorbei gucken - allerdings:

1. ziemlich lang (über 4000 Worte)
2. leider nur in deutsch (hat jemand Langeweile und mag sie übersetzen ;-) - das traue ich mir nämlich definitiv nicht zu ... okay, ist nicht ganz ernst gemeint)

Mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht ging er die leere Straße herunter. Seine Gedanken waren bei IHR auch wenn er sich auf einen weiten Weg machte, der ihn wegführte - in eine ungewisse Zukunft! Und doch verspürte er wieder Hoffnung: Hoffnung auf eine bessere Zukunft für die Menschheit - Hoffnung auf Frieden - Hoffnung aber auch für ihn. Er würde seine Vergangenheit niemals hinter sich lassen können, aber vielleicht würde es irgendwann auch für ihn wieder einen Ort geben, den er “zu Hause” nennen konnte.

.... Zwei Monate vorher ... Er wusste es! Gleich als er aus einem unruhigen Schlaf erwacht war, wusste er es! Anna Rose lebte nicht mehr! Die Frau, die seinem Leben wieder einen Sinn gegeben hatte nach all den Jahren Verzweifelung und Hoffnungslosigkeit.

Früher einmal - in einem anderen Leben - da hatte er gewusst, was Glück bedeutete - er hatte eine Familie gehabt - Eltern - einen großen Bruder und eine kleine Schwester, deren Leben gerade erst begonnen hatte. Er hatte viele Freunde gehabt, war gern zur Schule gegangen, hatte Football geliebt und die Simpsons. Er hatte die ersten Schritte auf den Weg ins Leben der Erwachsenen getan - unbeschwert und voller Träume ...

Und dann war plötzlich alles anders gewesen. Ein kleiner Laborfehler nur, ein Virus, so unscheinbar, das ihm vorher niemand Beachtung geschenkt hatte. Innerhalb weniger Tage hatte er eine Welt verändert - die Erwachsenen starben, ehe sie auch nur begreifen konnten, was da vor sich ging. Zurück blieben die Kinder - die Jugendlichen - und ein paar wenige Erwachsene, die gegen das Virus immun waren. Chaos, Hilflosigkeit, Verzweiflung!

Auch er war so aus seiner Welt herausgerissen worden. Morgens noch hatten sie alle gemeinsam gefrühstückt - er war zu Schule gegangen, wie jeden Tag und als er nachmittags zurückkam, verstört von dem, was er auf dem Nachhauseweg hatte sehen müssen - sterbende Erwachsene, Angst, Flucht, Panik, aber auch Menschen, die dieses beginnende Chaos für sich ausnutzten, die Fensterscheiben einschlugen, Läden plünderten, andere rücksichtslos zusammenschlugen, da wollte er nur noch eines: Schutz suchen bei seinen Eltern, die immer da gewesen waren für ihn und seine Geschwister. Aber sie waren nicht mehr da - nur ein Zettel lag auf dem Tisch: Sind kurz zum Einkaufen - Essen steht im Kühlschrank!

Das Essen war noch da - seine Eltern nicht! Sie kamen auch nicht mehr zurück - nicht seine Eltern, nicht seine Schwester und auch nicht sein Bruder! Was genau geschehen war, er wusste es nicht!  Würde er nie wissen! Sie waren einfach verschwunden, wie so viele Menschen in dieser Zeit einfach spurlos verschwanden - und er war allein! Allein in einer Welt, die er nicht verstand! In einer Welt, in der es keine Sicherheit, keinen Frieden mehr zu geben schien - in der das Chaos regierte - in der jeder nur noch an sich selbst dachte. Denken musste, um überleben zu können - oder man konnte sich verkriechen und ... sterben ...

Er wollte sterben - aber er konnte nicht! Trotz allem nicht - trotz all der Hoffnungslosigkeit um ihn herum gab es etwas, das ihm zu sagen schien: “Du darfst nicht aufgeben! Noch nicht! Vielleicht wirst du eines Tages gebraucht werden!”  Und so machte er weiter - immer weiter, nur nichts denken und fühlen! Nicht den Schmerz zu lassen, den all der Verlust mit sich brachte! Die Vergangenheit aus seinen Erinnerungen löschen! Es gab keine Eltern mehr, keinen Bruder, keine Schwester, keine Freunde! Es gab nur noch ihn!  Einsam und alleine - keinen anderen Menschen mehr an sich heran lassen, aus Furcht, auch den wieder zu verlieren! Niemals länger als nötig an einem Ort bleiben! Nur essen, trinken, schlafen - und im Schlaf für ein paar Stunden in seinen Träumen in eine bessere Welt entkommen. In eine Welt, in der es auch für ihn noch Hoffnung gab - Frieden - Liebe und ein zu Hause! Einen Ort, einen Menschen zu dem er gehörte!

Er lebte nicht - er überlebte! Eine Minute - einen Tag - eine Woche - einen Monat .... irgendwann hörte er auf zu zählen! Bis eines Abends etwas geschah, mit dem er nicht mehr gerechnet hatte: Er traf Anna Rose!

Es war ein kalter, düsterer Tag gewesen - und trotzdem war er gut! Ein Tag ohne Gewalt! Er war auf einen kleinen Ort gestoßen, der sich im Aufbau befand. Die Menschen dort waren freundlich - sie boten ihm an, für eine warme Mahlzeit beim Ausschachten eines Brunnens zu helfen. Es war eine schwere Arbeit, aber sie war sinnvoll und sie half ihm beim Vergessen. Später saß er dann im Versammlungssaal vor seiner Suppe - zusammen mit den anderen und doch für sich allein. Er wollte keine Gesellschaft ... Und doch: als er die anderen so beobachtete, wie sie zusammen saßen, sich leise unterhielten und ab und zu sogar ein zaghaftes Lachen zuließen, da fragte er sich, wie es wohl wäre, hier zu bleiben. Im Gegensatz zu der kalten Welt da draußen gab es hier noch einen Rest Wärme und Geborgenheit - wie lange war es her, das er sich zuletzt geborgen gefühlt hatte? Er konnte sich nicht erinnern!

Und dann spürte er es: ein Blick, der auf ihm ruhte. Als er aufsah, trafen sich ihre Augen. Es waren warme, braune Augen und sie waren so voller Leben! Die junge Frau, zu der sie gehörten, schien ihm wunderschön. Es war eine Schönheit, die man nicht auf dem ersten Blick erkannte, sondern die von Innen heraus strahlte. Er folgte ihr mit seinen Blicken, als sie an seinen Tisch trat und meinte: “Du solltest heute nicht so einsam sein!” Wie selbstverständlich zog sie sich einen Stuhl heran und setzte sich zu ihm.

Für einen Moment erinnerte er sich an die Abende zu Hause, an die Geborgenheit bei seiner Familie. Hier blieb niemand allein mit seinen Sorgen - hier konnte man über alles reden - und hinterher fühlte man sich besser. Er verstand sich selbst nicht, als er zu erzählen begann. Von seiner Vergangenheit, die er so tief in sich verschlossen hatte - von der Gegenwart, die er manchmal kaum noch ertragen konnte, weil er so oft dazu gezwungen war, Dinge zu tun, für die er sich selbst hasste - und von seinem Traum einer besseren Zukunft, der tief in seinem Herzen immer noch lebte.

Anna Rose verlor keine Worte, sie saß nur da und hörte ihm zu - Stunde um Stunde. “Rede” schien sie zu sagen. “Rede dir alles von der Seele! Ich werde mit dir um deine Familie trauern! Ich werde dich nicht verurteilen für das was du tust! Ich glaube an deine Träume und an dich!” Und er lebte - seit langer Zeit konnte er endlich wieder echte Gefühle zulassen. Er konnte weinen und Anna Rose hielt ihn im Arm - er konnte sich fürchten und Anna Rose machte ihm Mut - er konnte hoffen denn Anna Rose schien für ihn die Zukunft zu sein. Und er konnte lieben! In seinem Leben gab es keinen Platz für die Liebe - und trotzdem wusste er, das es für seine Gefühle für Anna Rose kein anderes Wort gab.

Als es fast hell wurde, war es keine Frage mehr - Anna Rose nahm ihn mit in ihr kleines Zimmer, das eine Wärme ausstrahlte, wie er sie in dieser Welt lange nicht mehr erlebt hatte. Es hatte etwas von “Nach-Hause-Kommen” - und er konnte sich vorstellen, für immer zu bleiben. Die nächsten Stunden würde er nie wieder vergessen - sie waren so unwirklich und gleichzeitig doch so real. Sie waren voller Gefühl und Zärtlichkeit, voller Vertrauen und Hoffnung. Was er mit Anna Rose erlebte, war mehr als er sich jemals zu Träumen erlaubt hatte. Es war Nähe und Wärme und Geborgenheit, es war wortloses Verstehen, es war ein Geben und Nehmen - Dinge, von denen er schon längst vergessen hatte, das es sie überhaupt gab!

Irgendwann schlief er ein ... und als er wieder erwachte, war sie fort! Er wusste es gleich, das sie nicht zurückkommen würde! Das er sie niemals wieder sehen würde! Einen Augenblick lang wartete er auf den Schmerz, auf das Gefühl der Leere, der Verlassenheit! Aber es kam nicht. Was Anna Rose ihm in dieser Nacht gegeben hatte, reichte für die Zukunft.

Er fragte nicht nach dem “Warum” - in dieser Zeit stellte man solche Fragen nicht! Er war auch nicht enttäuscht, weil sie einfach wortlos verschwunden war - er kannte sie nicht und doch wusste er, das sie in dieser Nacht genau wie er geliebt hatte - und das es einen Grund gab für ihr Verschwinden!

Von diesem Tag an wurde sein Leben einfacher. Auch wenn sich die Umstände nicht geändert hatten, ER hatte sich verändert. Tagsüber zog es ihn weiter - von Ort zu Ort - aber es war keine Flucht mehr. Es war eher eine Suche geworden - die Suche nach einem Ort, der ihm ein neues zu Hause bieten konnte - er wusste jetzt, das es so etwas noch gab!

Nachts war Anna Rose bei ihm, jede Nacht! Im Traum hörte sie ihm zu, wie sie es in jener Nacht getan hatte! Er war nicht länger einsam, er konnte alles mit ihr teilen! Und jede Nacht sagte sie zu ihm:” Du darfst nicht aufgeben! Egal, was heute passiert ist - es gibt etwas Gutes in dieser Welt und dafür lohnt es sich zu leben!”

Einige Monate später ...

... wieder eine Nacht, ein paar Stunden nur, die sein Leben veränderten! Er hatte so unruhig geschlafen, obwohl dazu eigentlich kein Grund bestand! Die Gegend, in der er sich aufhielt, war friedlich - die Nacht war warm genug, um im Freien Schlafen zu können und am Abend vorher hatte er in einem nahen Bach ein paar Fische fangen können, die ausreichen würden, damit er auch heute nicht hungern musste! Und doch war etwas anders!

Anna Rose! Er hatte nicht von Anna Rose geträumt! Zum ersten Mal seit ihrer gemeinsamen Nacht! Und da wusste er es! Anna Rose lebte nicht mehr! Die Frau, die seinem Leben wieder einen Sinn gegeben hatte nach all den Jahren Verzweifelung und Hoffnungslosigkeit. Aus und Vorbei! Nie wieder! Keine Träume mehr! Er hatte sie verloren! So wie damals seine Eltern, sein Bruder und seine Schwester einfach verschwunden waren, war auch Anna Rose fort! Und er war wieder allein ... allein ... allein ... allein

Er konnte es nicht ertragen! Das nicht! Nicht diesen Verlust, diesen Schmerz, diese Leere! Schon einmal hatte er alles verloren geglaubt, aber etwas hatte ihn immer weiter getrieben, die unbewusste Hoffnung darauf, das es auch für ihn noch so etwas wie Glück geben konnte. Er hatte dieses Glück gefunden - und es festhalten können, die ganze Zeit hindurch. Solange es irgendwo auf der Welt einen Menschen wie Anna Rose gab, solange musste das Leben irgendeinen Sinn haben! Aber es gab sie nicht mehr - er wusste es einfach. Worauf sollte er jetzt noch hoffen? Wozu sollte er jetzt noch hoffen? Wenn ihm doch immer wieder alles genommen wurde, woran er glaubte! Wenn immer und immer wieder jede Hoffnung zerbrach und nur noch Schmerz und Leere zurückblieb!

Mehrere Tage irrte er ziellos umher, er schlief nicht, er aß nicht, er sprach mit niemandem. Bis er schließlich auf einen kleinen See stieß. Eine alte Holzbrücke überspannte ihn - sie musste vor langer Zeit errichtet worden sein und seit der Virus die Welt verändert hatte, schien sich niemand mehr um sie gekümmert zu haben. Das Geländer war brüchig, die Planken lose und durchgefault. Und doch fühlte er sich davon angezogen. Er hatte keine Angst - warum auch?!

Entschlossen betrat er die Brücke, ohne genau zu wissen, warum. Als er etwa die Mitte der Brücke erreicht hatte, sah er zurück - einige Planken waren herausgebrochen, nachdem er darüber gegangen war - es gab nur noch ein vorwärts ... oder ... Sein Blick fiel nach unten - der See lag tief unter ihm, er war nur klein, aber das Wasser glitzerte tiefgrün und klar in der Sonne. Es musste kalt sein - kalt und tief ...

Das musste die Lösung sein! Hier und jetzt würde er allem ein Ende machen! Sich einfach fallen lassen! Ein Stück weit durch die Luft fliegen, noch ein letztes Mal den Wind und die Sonne spüren - und dann das Wasser. Er konnte nicht schwimmen! Es würde schnell gehen!

Und er ließ sich einfach gegen das brüchige Geländer fallen. Es gab nach - der Sturz schien ihm ewig zu dauern. Er verspürte keine Angst, keine Reue - seine Gedanken waren bei Anna Rose. Einen Moment lang fragte er sich, ob es wohl einen Himmel gab und ob er sie dort wiedersehen konnte. Das wäre schön!

Und dann das Wasser. Der Aufschlag war hart, aber er empfand keinen Schmerz. Sofort sank er in die Tiefe - er wollte nicht dagegen an kämpfen. Doch dann war da plötzlich die Angst, den Mund zu öffnen und das kalte Wasser in seine Lungen strömen zu lassen.

“So kannst du nicht gehen”, schien etwas in ihm zu sagen. Aber er wollte es nicht hören. “Ich kann nicht mehr! Ich habe genug von Gewalt und Verlust und Trauer! Ich will nicht in einer Welt leben die keinen Frieden und keine Liebe kennt!”

Und er zwang sich, den Mund zu öffnen. Das kalte Wasser strömte in seine Lungen und die Angst war wie weggewischt. Er sank tiefer und tiefer und er empfand eine angenehme Stille! Danach hatte er schon so lange gesucht! Es musste richtig sein, was er hier tat!

“Noch nicht!” Er horchte auf, als er die Stimme hörte. “Noch nicht! Es gibt noch viel zu tun!”

Es war eine ruhige Stimme - gleichmäßig und sanft.  Er wunderte sich nicht, er fragte sich auch nicht, wer da zu ihm sprach. Er wurde nur wütend, unendlich wütend. Jahrelang hatte Gott sich nicht um ihn gekümmert -  und jetzt, als alles zu Ende sein sollte, war er plötzlich da?!

“Was willst du,” fragte er. “Verschwinde! Lass´ mich gehen! Wir interessieren dich doch gar nicht! Jahrelang hast du dich nicht um die Menschen gekümmert! Du hast Schmerzen und Tod in diese Welt gelassen! Sieh´ dir doch an, was du getan hast!”

Und die Stimme wurde traurig. “Ich weiß! Ich weiß, ich war zu lange fort! Aber jetzt bin ich wieder da! Meine Stimme wird gehört werden! Denn du wirst meine Stimme sein!”

“Verschwinde” wiederholte er. “Ich habe es satt! Ich habe dich satt! Du hast mir alles genommen, was mir in diesem Leben wichtig war! Lass´ mich sterben, das ist alles, was du noch für mich tun kannst!”

Und die Stimme antwortete.“Vertrau´ mir!”

Als er wieder zu sich kam, lag er am Ufer des Sees. Einige Leute standen um ihn herum, aber niemand wagte sich näher heran. Eine große Welle hatte ihn an Land gespült - eine Welle in einem See, der immer nur ruhig und tief gewesen war. Wie ein Wunder ... Aber wer glaubte noch an Wunder in dieser Welt ?!

Er hatte also überlebt! Warum nur? Warum hatte er ihn nicht einfach sterben lassen? Er hatte keine Lust mehr auf dieses Leben, das eigentlich schon lange keines mehr war!“Vertrau mir”, hatte er gesagt.Vertrauen ?! Einem Gott, der unschuldige Menschen leiden ließ? Der zuließ, das Gewalt, Furcht und Chaos diese Welt beherrschten? Der ihm Anna Rose genommen hatte, das einzige, was seinem Leben noch Sinn gab? So einem Gott wollte er nicht vertrauen! Er wollte überhaupt nie wieder irgend jemandem vertrauen! Er wollte wieder zurück in den See, er wollte wieder die Ruhe und den Frieden empfinden, den der nahende Tod mit sich brachte! Er wollte ...

“Du solltest mit mir kommen!”

Eine Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Es war nicht Gott, der da mit ihm sprach, es war die Stimme einer älteren Frau. Er starrte sie an - so lange schon hatte er keinen Menschen mehr gesehen, der über dreißig war. Sie musste eine der wenigen Erwachsenen sein, die den Virus überlebt hatten. Jetzt streckte sie ihm eine Hand hin.

“Ich bin Hannah! Du solltest jetzt mit mir kommen!”

Etwas zog ihn zu ihr hin - sie strahlte eine solche Ruhe und Gelassenheit aus. In ihren Augen lag etwas von Fröhlichkeit, obwohl dieses Leben doch wirklich keinen Grund bot, fröhlich zu sein! Er machte einen Schritt auf sie zu, wich dann aber sofort wieder zurück. Keine Nähe mehr! Keine Zukunft mehr! Kein Leben mehr!

“Ich bin ... niemand! Ich habe keine Vergangenheit! Ich habe keine Zukunft! Warum sollte ich noch irgendwo hin gehen?”

Sie nickte.“Ich weiß! Ich weiß was du gesehen hast - ich weiß, wie du gelitten hast - ich weiß, was du empfindest! Trotzdem solltest du heute Abend mit mir kommen! Ich möchte dir etwas zeigen! Und wenn du danach immer noch glaubst, das es für dich keine Hoffnung gibt, dann werde ich dich gehen lassen! Auch in den Tod - wenn du dich dafür entscheidest!”

Sie drehte sich um und ging langsam davon. Er zögerte, warf noch einen Blick zurück auf den See, der ruhig und friedlich da lag. Das Bild vor seinen Augen  hatte etwas von der Beständigkeit, die ihm in seinem Leben fehlte. Der See würde nicht verschwinden, wenn er jetzt ging! Er konnte morgen zurückkehren - oder in einer Woche! Und der See würde immer noch da sein. Was machte es also, wenn er für heute Abend mit Hannah ging?

Und er folgte ihr. Sie führte ihn zu einem großem Haus. Es war anders als alle anderen Häuser, die er in letzter Zeit gesehen hatte. Es war nicht nur ein Unterschlupf - es war ein zu Hause! Nicht sein zu Hause, das spürte er - aber es bot Menschen Sicherheit, Wärme, Zuversicht! Auch wenn von diesem Menschen nichts zu hören war! Es war still im Haus, aber es war eine angenehme Stille. Er brauchte nichts denken, nichts fühlen, konnte sich einfach nur fallen lassen in einen leeren Raum.Hannah war bei ihm, sprach kein Wort, sah ihn nur an mit ihrem leichten Lächeln, das sie nie zu verlassen schien. Und er fand ein Stück Ruhe und Frieden!

Lange Zeit saßen sie so bei einander, bis er schließlich aufsah und Hannah in die Augen blickte.Sie nickte ihm zu.

“Sie hat dich geliebt ... So sehr geliebt!”

Und er wusste, das sie von Anna Rose sprach! Er fragte nicht, woher sie seine Geschichte kannte, es schien irgendwie selbstverständlich zu sein.

“Sie wollte dich nicht verlassen,” fuhr Hannah fort. “Aber sie hatte keine Wahl! Du hättest es nicht ertragen! Sie wusste das sie nicht mehr lange zu leben hatte! Es gibt Mutationen von dem Virus! Er greift die Kinder an - selten nur - aber es geschieht! Darum gab es für euch eine Nacht - aber keine Zukunft! Du wärst daran zerbrochen, wenn du sie hättest sterben sehen!”

Trauer überkam ihn - er hatte es ja gewusst, das Anna Rose nicht mehr lebte, aber zu hören, das er auch sie an den Virus verloren hatte, war fast unerträglich. Und die Trauer wandelte sich in Zorn - in Zorn auf einen Gott, der einfach nicht da gewesen war, als die er ihn brauchte, als Anna Rose ihn brauchte, als die Menschen ihn brauchten! Und der jetzt von ihm erwartete, das er ihm vertraute!

Hanna legte ihre Hand leicht auf seinen Arm.“Gott hat den Virus nicht geschaffen! Das waren die Menschen! Die Menschen müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen für ihre Handlungen! Sie dürfen sich nicht länger hinter einem Gott verstecken, dem sie die Schuld für alles geben können! Erst dann wird es eine Zukunft geben für die Menschen!”

Aber es gab keine Zukunft mehr! Nicht in dieser Welt! Nur Gewalt und Schmerz und Verlust - wenn man ein klein bisschen Hoffnung zuließ, dann wurde sie kurz darauf zerschlagen und hinterher war alles noch unerträglicher. Wozu? Wozu das alles noch länger ertragen?

"Aber ich wollte dir etwas zeigen!”

Hannah forderte ihn auf, ihr zu folgen. Sie führte ihn durch das ruhige Haus in einen weiteren Saal. Im Dämmerlicht konnte er mehrere kleinen Betten erkennen und in ihnen lagen ... Kinder! Säuglinge noch! Sie schliefen tief und ruhig, als könnte ihnen die Welt da draußen nichts anhaben.

“Das ist die Zukunft,” sagte Hannah. “Wir nehmen die Kinder auf, die niemand haben will! Wir geben ihnen ein zu Hause! Wir versuchen ihnen Liebe und Frieden zu vermitteln! Wir begleiten sie auf ihren schweren Weg , so weit wir es können! Vielleicht werden sie eines Tages in einer besseren, einer friedlichen Welt leben können! Vielleicht ...

Und das ... ist deine Zukunft!”

Hannah trat an eines der Bettchen heran und nahm das Kind heraus. Sie legte es ihm in den Arm.  Er fühlte sich ein wenig unbehaglich, mit diesem kleinen, hilflosen Wesen auf seinem Arm. Es hatte noch sein ganzes Leben vor sich. Und in was für eine Welt war es hineingestoßen worden?! Sollte es wirklich nur Schmerz und Leid erfahren in seinem Leben? Sollte es niemals das Glück empfinden dürfen, das er mit Anna Rose erlebt hatte? Wer war er, das er nicht mehr an eine bessere Zukunft für die Menschheit - und für dieses kleine Wesen - glauben wollte?

Es war ein unbeschreiblich zärtliches Gefühl, das er empfand, er wollte dieses Kind beschützen, er wollte es begleiten auf seinem Weg. Er wollte da sein, wenn der Schmerz kam - aber er wollte ihm auch das Lachen lehren. Er wollte, das es eine Zukunft - ein Leben hatte ...

Plötzlich schlug das Kind die Augen auf. Es schrie nicht, es bewegte sich kaum. Nur die Augen suchten seinen Blick. Es waren so wissende Augen, fast so als hätten sie schon zu viel gesehen! Es waren aber auch warme, braune Augen - und sie waren so voller Leben! Er sah in diese Augen und er wusste es, noch bevor Hannah etwas sagte.

“Sie hat die Hoffnung nie aufgegeben, das es eine bessere Zukunft geben kann für die Menschen ... Darum wollte sie, das dieses Kind lebt!”

Dieses Kind?! Anna Rose´s Kind! Sein Kind! Seine Tochter! Rose!!!

Anna Rose hatte gekämpft, damit sie leben konnte! Jetzt musste er kämpfen, damit sie eine Zukunft hatte!  Aber er war kein Kämpfer - war es nie gewesen! Er hatte immer irgendwie überlebt - aber niemals GELEBT! Am liebsten wäre er hier sitzen geblieben, mit Rose im Arm. Den Frieden und die Wärme festhalten, den dieser Ort ausströmte. Und die Welt da draußen hinter sich lassen ... Und doch wusste er, das es nicht ewig so sein konnte. Eines Tages, bald schon, würde er sich seiner ungewissen Zukunft stellen müssen ...

“Es wird Zeit, das du dich entscheidest!”

Es war einige Wochen später, als er von der Stimme geweckt wurde. Am liebsten hätte er sie überhört, aber Gott entkam man nicht, egal, wohin man flüchtete.

“Ich kann nicht! Ich kann jetzt nicht gehen! Ich kann sie doch nicht allein zurücklassen!”

“Sie ist nicht allein! Sie wird hier niemals allein sein! Du kannst ihr nur helfen, in dem du gehst! Ich brauche dich - die Menschen brauchen dich - du bist ihre Hoffnung, auch wenn sie nichts davon ahnen!”

Er wusste, das es stimmte! Seine Aufgabe in dieser Welt war nicht bei Rose - noch nicht! Aber er konnte es nicht - er konnte sie nicht verlassen - nicht in dieser Welt - nicht mit all dem Kummer und Schmerz, der sie erwartete! Wer würde sie beschützen? Wer würde ihr zur Seite stehen?

“Ich bin da! Ich verspreche es dir, ich werde immer an ihrer Seite sein! Und du sollst immer wissen, wie es ihr geht! Ich werde es dir sagen: Tag für Tag ... bis ihr euch wieder seht! Und ihr werdet euch wieder sehen! Du wirst sie nicht verlieren!”

Und dann hörte er sie - Anna Rose! Sie sagt nur zwei Worte: "Vertrau' ihm!"

....

Mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht ging er die leere Straße herunter. Seine Gedanken waren bei IHR auch wenn er sich auf einen weiten Weg machte, der ihn wegführte - in eine ungewisse Zukunft! Und doch verspürte er wieder Hoffnung: Hoffnung auf eine bessere Zukunft für die Menschheit - Hoffnung auf Frieden - Hoffnung aber auch für ihn. Er würde seine Vergangenheit niemals hinter sich lassen können, aber vielleicht würde es irgendwann auch für ihn wieder einen Ort geben, den er “zu Hause” nennen konnte.


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Oh Prisca! I ran your story through the babelfish translator. It was not perfect (Smith is called "it" rather than "he"!) but it was good enough to follow the story and understand the emotions and get a feel for your writing. I love how he meets Anna Rose and shares one night of love with her physically, yet she stays in his dreams until her death. And how you have Hannah find him and take him to meet Rose, and he hears Anna Rose's voice one last time! "Trust Him!"

Very sweet and sad and hopeful all at once.

Thank you - for reading the story and for your comment! (Urg ... Online-Translater ... yes ... it translate like I write here sometimes ... sorry for that!)

I like Anna Rose, too. I think, she is very important for him, she gives him courage for life and she is with him, as long as he needs her.

Yes, it´s a sad story, but it´s a difficult time to live and hope is all what still remains!

I wrote this story straight from the gut and I hope it could show some of my impressions about Smith, his loneliness, his sadness but also about his (most confidential) dreams!

Wie Belle schon sagt, es ist alles drin ... Herz, Schmerz, Hoffnung ... Vertrauen ...
Und toll geschrieben, wahnsinnig toll! HerzlichenDank!!!

Danke. Die grundidee hinter der geschichte gefällt mir immer noch. Obwohl ich das Ganze heute wahrschein länger und in mehreren Teilen schreiben würde.

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